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Der Bullwhip Effekt – „den Letzten beißen die Hunde“

Montag, 1. März 2010

Was geht uns das heute an? Nun, in ruhigeren Zeiten versteckt sich dieses Aufschaukeln von Schwankungen der Kundennachfrage in Pufferbeständen oder -kapazitäten. Jetzt, wo es wieder aufwärts geht, reichen diese Puffer nicht. Die Auftragsbücher füllen sich unerwartet schnell. Es entstehen erste Lieferengpässe. Was ist „echt“, was könnte sich als Strohfeuer entpuppen? Schwer zu sagen. Das einzige, was hilft: Schauen Sie auf die Kunden Ihrer Kunden.

  • Wie entwickelt sich die Auftragslage unserer wichtigsten Abnehmer?
  • Was „treibt“ diese Nachfrage?
  • Wie wird stromabwärts (zum Endkunden hin) Material geplant und disponiert?

Mancher Bullwhip Effekt verstärkt sich durch eigene Strategien, interne Prozesse und (Un-)Fähigkeiten. Das kostet Geld und Nerven, die an anderer Stelle sicher besser investiert sind.

Abbildung: Beispiel für Bullwhip Effekt Bullwhip2

Machen Sie die Probe aufs Exempel. Lesen Sie den folgenden Beitrag „Bullwhip“.

Risiko Aufschwung. Wenn Bestände schneller wachsen als der Cashflow.

Dienstag, 1. Dezember 2009

„Im Aufschwung droht die Insolvenz“ schreibt Ferdinand Dudenhöffer im Handelsblatt (Ökonomischer Gastkommentar am 14.10.2009). Was verbirgt sich eigentlich hinter dieser Befürchtung? Während im Abschwung eine überproportional hohe Reduzierung des in Beständen gebundenen Kapitals eintritt, passiert im Aufschwung das genaue Gegenteil. Das erwischt Unternehmen immer wieder ziemlich unvorbereitet. Dabei ist das eine Art Naturgesetz.

Naturgesetz – Jojo-Effekte in der Bestandsentwicklung
Dieser Effekt lässt sich an einem einfachen Beispiel zeigen. Kunden kaufen ein bestimmtes Produkt. Die ursprüngliche Nachfrage von 10 Einheiten pro Woche erhöht sich zunächst auf 12, dann auf 15 Einheiten. Genau diese Mengen werden vom Produzenten auch hergestellt und geliefert. Dazu benötigt der Produzent Material von einem Lieferanten und dieser wiederum von einem Unterlieferanten. Die angenommene Lieferzeit zwischen Lieferkettenpartnern beträgt jeweils 4 Wochen.
Abbildung 1 zeigt diese Lieferkette:

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Anders als man intuitiv meinen sollte, entwickelt sich die Nachfrage beim Unterlieferanten jedoch nicht synchron, sondern weist abrupte Bedarfsspitzen auf.

Abbildung 2 zeigt den Bedarfsverlauf Kunde/Unterlieferant. Die blaue Kurve zeigt die Entwicklung der Kundennachfrage. Die rote Linie gibt die Mengen wieder, die der Unterlieferant bereitstellen muss, um diese Kundennachfrage zu bedienen. Der Unterlieferant muss erheblich mehr produzieren als zunächst erwartet. Tatsächlich muss der Lieferant den steigenden Bedarf vorwegnehmen; das ignorieren wir hier der Einfachheit halber ebenso wie Kapazitätsrestriktionen.

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Woher kommt dieser unerwartete Mehrbedarf? Die Ursache ist, dass sich der Querschnitt der Lieferkette um 2, später um weitere 3 Einheiten erhöht. Über die 12-wöchige Lieferfrist zwischen Unterlieferant und Endkunde muss diese Pipeline einmalig aufgefüllt werden: im ersten Schritt werden dazu 24 Einheiten benötigt. In jeder Lieferstufe findet Bestandaufbau statt. In diesem Beispiel erzeugt die Nachfrageerhöhung um 2 Einheiten pro Woche beim Produzenten einen einmaligen Aufbau der gebundenen Bestände um 8 Einheiten; bis zum Unterlieferanten summiert sich das auf 24 Einheiten. Je weiter „upstream“ ein Lieferant sitzt, desto stärker wirkt sich dieser Effekt aus.
Abbildung 3: Einmaliger Bestandaufbau in der Lieferkette (bei 20%igen Wachstumsschub der Kundennachfrage)

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Halbe Durchlaufzeit – um 50% reduzierter Bestandsaufbau
Halbiert sich nun die Lieferzeit auf nur noch 2 Wochen, fällt der Bestandsaufbau in der Lieferkette ebenfalls auf die Hälfte. Bei einem Nachfrageanstieg um 2 Einheiten pro Woche, muss der Unterlieferant statt 24 Einheiten „nur“ 12 Einheiten zusätzlich bereitstellen.
Abbildung 4: Bedarfsverlauf bei einer Lieferzeit von 2 Wochen.

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In der Realität fällt der hier dargestellte Effekt meist erheblich gravierender aus. Zusätzlich zum hier gezeigten Aufbau des Pipeline-Bestandes schlagen weitere Elemente des so genannten  Bullwhip Effekts zu. Ein Beispiel: Wenn Unterlieferanten die Bestellungen ihrer Kunden immer für den tatsächlichen Bedarf halten, stellen sie sich auf eine dauerhaft erhöhte oder reduzierte Nachfrage ein. Wenn sich das dann als Trugschluss herausstellt, entstehen wilde Überschwinger in der eigenen Nachfrage nach Vormaterialien.

Fazit
Ob es sich nur um ein kurzes Strohfeuer der Nachfrage oder einen dauerhaft spürbaren Aufschwung handelt, lässt sich nicht leicht beurteilen. Als Lieferant kennt man seine Position in der „Nahrungskette“. Wenn man dann noch weiß, wie sich der Endverbraucher verhält und wie die eigenen, direkten Abnehmer typischerweise reagieren oder agieren, hat man eine gute Basis für eine realistische Einschätzung und somit zur Vermeidung von Bullwhip Effekten.

Was die drohende Liquiditätsenge durch den Aufbau des Pipeline-Bestandes betrifft, hilft nur eines: Reaktions- und Lieferzeiten deutlich verkürzen. Da geht meist mehr als man auf den ersten Blick glaubt. Ein großer Teil typischer Planungs- und Auftragslaufzeiten sind ohnehin Wartezeiten.

Für Zulieferer ist es wichtig, Abnehmer in unterschiedlichen Branchen zu haben, um das Risiko gleichzeitig auftretender Auf- oder Abschwünge zu vermeiden. Auch das dämpft Bullwhip-Effekte.

Aus Sicht der Unternehmen, die eine steigende Nachfrage ihrer Endkunden erleben, sieht die Welt anders aus. Sie müssten ihre Lieferanten und deren Vorlieferanten schon viel früher motiviert haben, die eigenen Vorräte aufzustocken (“Lageraufbau”). Sonst passiert, was man z. Zt. wieder bei den Herstellern elektronischer Bauteile beobachten kann, in Teilbereichen herrscht Knappheit und die Lieferzeiten steigen. Auch hier helfen gestraffte Produktions- und Lieferabläufe.

Krisenbewältigung mit Herz und Verstand.

Montag, 2. November 2009

Vor einiger Zeit haben wir, gemeinsam mit einem Partnerunternehmen (www.mahocon.de), zu einem Workshop „Was kommt nach der Kurzarbeit?“ eingeladen. Wir näherten uns dem Thema von zwei Polen: dem Blick auf die Menschen und die Organisation, und dem Anspruch, die nächste Krise operativ besser zu meistern. Zunächst mal sieht es so aus, als ob man diese zwei Themen problemlos getrennt angehen kann.

Schockstarre in der Kurzarbeit
Ein traditionsreicher, erfolgsverwöhnter Automobilzulieferer mittlerer Größe erlebt einen massiven Auftragseinbruch. Zunächst folgt Kurzarbeit, ein drastischer Stellenabbau erscheint ebenfalls unvermeidlich. Die Krise trifft die Organisation völlig unvorbereitet. Die Reaktion von Führungskräften und Mitarbeitern bewegt sich auf der Skala von nicht Wahrhaben wollen bis rette sich wer kann. Was für den einzelnen Mitarbeiter gilt, prägt die ganze Organisation. Die Krise mobilisiert nicht kreative Reserven, sondern sie verunsichert und sie lähmt. Psychologen würden sagen, das ist normal (siehe nachstehende Abbildung, Phasen 1 bis 3).

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Wie kommt man raus aus dem Loch? Mit Reden, vielleicht mit aggressiven Gefühlen, mit Verstehen der neuen Realitäten und schließlich mit der Erkenntnis „es geht weiter!“. Nicht als Opfer und Getriebener, sondern als Gestalter! Das ist der Knackpunkt. Jetzt ist das (meist ebenfalls betroffene) Führungspersonal gefragt. Es hilft nicht, noch mehr Druck zu machen, sondern das Gegenteil: loslassen, Sinn im Blick nach vorne vermitteln und die eigenen Leute zu Kreativität und Aktivität herausfordern – trotz möglicherweise reduzierter Stellenzahl und hoher Arbeitsbelastung. Raum schaffen für neue Chancen. Doch wohin mit dieser Energie?

Ausweg Prozess Innovation
Nun kommen operative Themen ins Spiel, z.B. Supply Chain Management. Produzieren und liefern ist in der Krise noch mühsamer geworden. Die Kunden erwarten eher kürzere Lieferzeiten. Andererseits sind die Mitarbeiter wegen der Kurzarbeit nicht immer verfügbar. Und wenn sie da sind, leidet mit den eigenen Problemen gelegentlich die Konzentration im Job. Produzieren und liefern war in vielen Unternehmen schon vor der Krise häufig nicht die Paradedisziplin, trotz Six Sigma Programmen und ausgeknautschten Herstellkosten: zu lange Wiederbeschaffungszeiten, überhöhte Bestände, mangelnde Terminpräzision in der Auftragsabwicklung oder Blindleistung durch kurzfristige Problembeseitigung. Genau das hat den Krisenabsturz verschärft, Stichwort „Lagerabbau“. Von diesem Verständnis ist es nicht mehr weit bis zur Erkenntnis, dass das nun anders werden muss.

Produktions- und Supply Chain Prozesse in Ordnung bringen, Warte- und Prozesszeiten in der ganzen Lieferkette drastisch reduzieren, Bestände durch bessere Information ersetzen, das lohnt den Einsatz. Es ist in erster Linie ein Führungsthema, diesen Impuls überhaupt zu setzen und dann die Leute, unter Anleitung, auch machen zu lassen. So entkommt man der drohenden Depression und erzeugt Aufbruch. Ohne professionellen Ansatz und ohne Ermunterung aus der Führungsetage geht es aber nicht, wenn sich der Erfolg einstellen soll. Der ist wichtig, damit alle der nächsten Krise gelassener ins Auge sehen können. Auch wenn die wieder neue Erfahrungen verlangt …

Raus aus der Krise und ohne Umwege zum Kunden.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Das klingt wie ein Mutmacherspruch. Jetzt, wo Konjunkturumfragen zaghafte Hoffnung auf Besserung machen, ist Zuversicht gefragt. Wer neben der mühsamen Verwaltung von Kurzarbeit und dem schieren Durchhalten die Zeit findet, intern aufzuräumen und strategische Weichen zu stellen, überholt seine Wettbewerber. Mit Supply Chain Management als Baustein im Geschäftsmodell werden neue Märkte schneller erobert und bestehende erfolgreich entwickelt.

Ohne Umwege zum Kunden

Eines meiner Lieblingsbeispiele ist die Modekette ZARA. Hier läuft vieles komplett gegen die herrschende Branchenlogik: hoher Eigenfertigungsanteil, Produktion in Europa, „teure“ Logistik, schnelle Wege zum Käufer. Und am Ende erfolgreicher als H&M & Co. Trotzt Wetterabhängigkeit und launischer Moden sind die Bestände gering, Ladenhüter entstehen erst gar nicht, Rabattschlachten werden vermieden. Der Kern davon ist, dass die Kunden genau das bekommen, was sie aktuell wollen. Natürlich geht es nicht nur um schnelle Produktion und Logistik, sondern auch um gekonntes Marketing. Aber ohne diese Supply Chain Fähigkeiten funktioniert das ganze Geschäftsmodell nicht.

Bei uns läuft das anders! Für Autobauer, Zulieferer, Elektrotechnik, Maschinenbau und andere Herstellerbranchen gelten andere Gesetze. Wirklich?

Thesen – auch gegen den Trend

Ein gutes Gedankenexperiment ist es, die in ihrem Unternehmen momentan herrschenden Grundüberzeugungen in Bezug auf Zielkunden, Auftragsbearbeitung, Produktion und Logistik mal aufzuschreiben und gedanklich umzukehren. Was wäre, wenn wir auf clevere Art das genaue Gegenteil täten? Als kleine Anregung drei Thesen:

(1) Build-to-order ist (fast) immer sinnvoll.
Wenn kurze und verlässliche Lieferzeiten wettbewerbskritisch sind, bleiben zwei Möglichkeiten: immer ausreichende Warenbestände oder eine reaktionsfähige, schnelle Produktion und Lieferkette. (Eine dritte Variante wäre, den Kundenbedarf immer auf die gerade verfügbaren Produkte zu lenken.) Je höher das „Alterungsrisiko“ der Bestände ist, desto lohnender sind bestandsarme Prozesse. Build-to-order ist relativ. Die einfachste Stufe ist die Endkonfiguration von Produkten. Komplexer wird es, wenn erst der Kundenauftrag die Montage anstößt. Wo im Prozess der Kundenauftrag starten soll, bleibt eine Frage des Geschäftsmodells und der eigenen Fähigkeiten.

(2) Kurze Lieferketten sind profitabler als sehr komplexe.
Build-to-order bedingt in vielen Fällen die geografische Nähe zu den Abnehmermärkten; die letzte Meile ist dann kurz. Kurze Lieferketten laufen nur über wenige Stufen (Vorlieferanten bis Endabnehmer) oder über zeitlich geringe Distanzen. Dazu zählt natürlich auch eine „synchrone“ Produktion mit der Fähigkeit zu Losgröße 1. Beide Effekte führen zu deutlich geringeren, systemimmanenten Beständen in der Kette. Kapitalbindung, Transport, Handlingsaufwand sowie Abschreibungen auf Bestände sinken. Preisvorteile im Einkauf, die das tatsächlich überkompensieren, müssen sehr deutlich ausfallen.

(3) Bestandspuffer nur an „Systemgrenzen“
Wer unsicher ist, legt Vorräte an. Bei stabilen Prozessen werden sie allerdings nur dort wirklich gebraucht, wo sich der Zeittakt ändert oder externe Risiken kompensiert werden müssen, also z.B. zwischen Zulieferern mit wöchentlichem Lieferrhythmus und der eigenen Produktion, die Aufträge im Stundentakt terminiert. Die Dimensionierung dieser Bestände ist eine Mischung aus gekonntem Handwerk und der Fähigkeit, Entwicklungen voraus zu denken, die auf Basis anderer Informationen in Entwicklung, Marketing oder Vertrieb absehbar sind.

Fazit

Sich „aus der Krise rausinvestieren“ (Craig Barrett, Intel) ist in jedem Fall eine gute Strategie. Es muss ja nicht immer mit viel Geld sein, Hirnschmalz ist auch eine sehr lohnende Alternative. Diese Ressource aktivieren Sie aber nur, indem Sie die Leute mitnehmen – mit Sinn („Lohnt das Engagement langfristig?“) und mit Offenheit („Wo stehen wir im Wettbewerb heute und morgen?“). Wenn Sie’s erfolgreich geschafft haben, macht Ihnen das keiner so leicht nach. Siehe ZARA, auch dort gibt’s wenig Nachahmer. Es ist halt nicht so einfach.

Turbulenzen an den Märkten: Supply Chain – Risiko oder Risikopuffer

Dienstag, 28. Oktober 2008

Das hatten wir doch schon einmal. Nach einer stabilen Boom Phase brach in der ersten Jahreshälfte 2001 überraschend der Technologiemarkt zusammen. Völlig unvorbereitet war einer der Champions dieser Zeit, die Firma Cisco. Der Umsatz fiel im Zeitraum Feb.-Apr. 2001 um 30%. Eine Vollbremsung in der Lieferkette. Teile und Komponenten wurden nur noch sehr verzögert gebraucht, der Preisverfall ließ die Werte schrumpfen. 2,2 Mrd. $ Abschreibungen auf Material belasteten die Cisco Bilanz. Es entstand ein Quartalsverlust von ca. 2,7 Mrd. $ bei einem Quartalsumsatz von 4,7 Mrd. $ (Quelle: Cisco Geschäftsbericht 2001).

Und heute? Rohstoffpreise sinken massiv und sind insgesamt sehr volatil. Die Autoindustrie tritt kräftig – und für manchen Zulieferer überraschend – auf die Bremse. Andere Branchen sind zumindest unsicher über die Entwicklung der nächsten Monate. Für manches war vielleicht die Finanzkrise der Auslöser. Der tiefere Kern jedoch ist, dass wir inzwischen weltweit ein extrem hohes Maß gegenseitiger Abhängigkeiten erreicht haben. In diesem Geflecht können sich positive oder negative Einflüsse massiv verstärken, ohne dass wir das wirklich vorhersehen können. Da helfen alle Statistiken der Vergangenheit nichts.

Supply Chains sind die Handelsstraßen unserer Zeit. Hier bewegen sich Informationen und Material. Material braucht nach wie vor Zeit, um produziert und transportiert zu werden. Information jedoch kann sich mit Internet-Geschwindigkeit verbreiten. Manchmal ist die Übermittlung jedoch unterbrochen oder unvollständig oder aber der Adressat ignoriert die Botschaft.

Ein Beispiel für zumindest verfälschte Botschaften ist das hohe Vertrauen in die Qualität von Verkaufsvorhersagen. Was als Wirklichkeit wahrgenommen wird ist häufig Illusion. Der positive Trend wird einfach fortgeschrieben, Informationen werden nur gefiltert weiter gegeben, feste Budgets und die Kostenplanung der Unternehmen stabilisieren den Status Quo bis zu dem Punkt, wo offensichtlich wird, dass es so nicht weiter geht. In der Autoindustrie, wo Zulieferer nun plötzlich und hart auf die Bremse treten müssen, mag ähnliches passiert sein.

Wie macht man Supply Chains risikofest? Da wir die Zukunft auch morgen nicht gut vorhersagen können, bleiben drei wesentliche Strategien:

  • Transparenz schaffen: Die Komplexität der Liefernetzwerke auf ein Maß beschränken, das verstehbar und steuerbar bleibt!
  • Zeit managen: Zeitkritische Abschnitte schneller machen und sie so gestalten, dass schnell umgesteuert werden kann.
  • Mit vorhandenen Informationen „vorausschauen“: Wenn ich weiß, wie sich der Endabnehmer oder der Vorlieferant tatsächlich verhält, kann ich mich sofort darauf einstellen und warte nicht ab bis mein Kunde seine Bestellungen verschiebt oder gar storniert.

Die wichtigste Erkenntnis jedoch ist, Ausnahmefälle generell auf der Rechnung zu haben. Das können Naturkatastrophen sein, politische Konflikte oder eben eine Finanzkrise. Die Lösung liegt nicht im komplexesten Risikomanagementsystem – auch Cisco hatte ausgeklügelte Systeme (Quelle: www.cio.com/archive/080101/cisco.html) – sondern darin, sein Handwerk als Supply Chain Verantwortlicher zu verstehen und in einem Top Management, welches genau diese Fähigkeiten zu einem der strategischen Handlungsschwerpunkte macht. Auch das ist eine Art Hedging, mit dem sich in Zeiten von Aufschwung oder Abschwung sehr viel Geld sparen lässt. Dass das nicht einfach ist, zeigt sich am Konfliktpotenzial mit dem Einkauf – niedrigste Einstandskosten gegen hohe Versorgungssicherheit und kalkulierbare Betriebskosten der Supply Chain.

Viel Action in der Krise macht zwar Eindruck, deutet aber eher auf Reparaturbetrieb hin. Wer darüber hinaus langfristige Konsequenzen zieht, hat dann doch etwas gelernt.