Wie kann Fortschritt gelingen? Ein Gespräch.

Zwei Fragen zum Jahresbeginn 2013 an …

Dr. Volker Stadelmeyer ist Bereichsleiter Produktion bei der Richard Wolf GmbH in Knittlingen/Baden, einem Unternehmen der Medizintechnik, das eine breite Palette von Endoskopie Produkten herstellt und das mit einer sehr hohen Fertigungstiefe.

Marcus Schwarz verantwortet als VP die Globale Logistik und das Supply Chain Management bei Weidmüller, einem führenden Hersteller von elektrischer Verbindungstechnik und Elektronik mit Hauptsitz in Detmold.

Michael Kowalski ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Essmann Unternehmensgruppe in Bad Salzuflen, einem Hersteller von Produkten für die natürliche Belichtung, Be- und Entlüftung sowie die Entrauchung von Industrie-, und Verwaltungsgebäuden. Die Wertschöpfungskette reicht von der Projektierung kompletter Systeme bis zur Montage und Wartung.

Von 2012 ins neue Jahr

Reinald Wolff
Als Geschäftsführer oder als Produktions- oder Supply Chain Chef sind Sie verantwortlich für das, was man neudeutsch Operative Exzellenz nennt. Gute Dinge am Laufen zu halten erfordert viel Kraft; wichtige Veränderungen anzuschieben lohnt die Mühe häufig erst nach geraumer Zeit.Nachdem es in 2010/2011 vor allem darum ging, als produzierendes Unternehmen lieferfähig zu sein, standen im letzten Jahr qualitative Verbesserungen in der Supply Chain im Vordergrund: hohe Termintreue trotz wirtschaftlicher Unsicherheit und kurzfristigen Anpassungen an Auftragssprünge (nach oben oder unten), sowie Stabilisierung der Organisation der Lieferkette.  Viele Ihrer Vorhaben waren nicht nur inhaltlich anspruchsvoll, es ging um Wandel – in den Köpfen der Mitarbeiter und in der Organisation.

Wie haben Sie 2012 erlebt? Welche wesentliche Erkenntnis oder Erfahrung nehmen Sie mit ins neue Jahr?

Dr. Volker Stadelmeyer
Auftragssprünge ist das Stichwort für 2012. Nach einem ersten Halbjahr ohne Turbulenzen setzte eine unerwartet starke Auftragswelle die Produktion ab Herbst massiv unter Druck. Eine Begleiterscheinung dabei: wenn man nicht aufpasst, werden gerade im Aufbau befindliche neue Supply Chain Prozesse durch altgewohnte Routinen einfach wieder überrollt. Hier heißt es alle Beteiligten einzubinden und bei allem Lieferdruck an das gesteckte Ziel zu erinnern.

Marcus Schwarz
Nicht neu, aber dennoch sehr fordernd: die Volatilität der Nachfrage verstärkt sich weiter, gleichzeitig reduziert das zunehmende Projektgeschäft die Planbarkeit. Dabei entwickeln sich die Märkte sehr unterschiedlich. Die Erwartungen an die Verfügbarkeit sind aber extrem hoch. Unser Ziel ist es, unsere Kunden immer bedarfsgerecht zu bedienen – dafür haben wir mit Blick auf diese neuen Herausforderungen entsprechende Strategien umgesetzt. Unsere Aufgabe bleibt es jetzt, diese stetig weiterzuentwickeln und an die Bedarfe unserer Kunden anzupassen.

Michael Kowalski
Das Jahr 2012 war durch die Konsolidierung der Märkte geprägt. In dieser Phase steht die Frage der stärkeren Kundenbindung erneut im Mittelpunkt. Intensive Gespräche mit guten Kunden haben gezeigt, dass meist nicht die kürzeste Lieferzeit, sondern in vielen Fällen die Lieferzuverlässigkeit und die störungsfreie Abwicklung die Grundlage für eine enge Kundenbindung bilden. Diese erneute Bestätigung der kaufentscheidenden Faktoren für unser Geschäft bestimmt unser Handeln in diesem Jahr. Die Schwerpunkte der Projektarbeit im operativen Geschäft fokussieren sich auf die Prozesse zur Erhöhung der Lieferzuverlässigkeit und zur Steigerung der Abwicklungsqualität.

Was ist für Sie in 2013 besonders wichtig – in der eigenen Organisation oder bezogen auf den Markt?

Dr. Volker Stadelmeyer
Die Supply Chain muss weniger anfällig gegen Wellenbewegungen des Marktes werden. Aktuell und für die nächsten Monate heißt dies: Gas geben in der Produktion, um hohes Wachstum zu realisieren und gleichzeitig die Lieferkette weniger komplex und schneller gestalten. Unsere Herausforderung bleibt es, zunächst Druck abzubauen und parallel Prozesse schrittweise zu vereinfachen und zu erneuern. Am Ende soll es dann umgekehrt sein; gerade weil die Lieferkette beherrschbarer und schneller ist, entsteht nicht immer wieder dieser unproduktive Druck auf Mitarbeiter und Organisation.

Marcus Schwarz
Die Supply Chain wird immer mehr zum wettbewerbsdifferenzierenden Faktor. Dem Kunden ist es egal, aus welchem Werk der Artikel kommt. Es geht um hohe Zuverlässigkeit und Reaktionsfähigkeit in der gesamten Lieferorganisation, auch bei größeren „ungeplanten Bestellungen“. Die nötige interne und externe Vernetzung klappt nur dann reibungslos, wenn „smarte“ Kollaboration entlang der Lieferkette absoluten Vorrang hat vor lokalen Optimierungen. Deshalb haben wir bei Weidmüller strukturierte Optimierungsprozesse aufgesetzt, die alle Beteiligten der Supply Chain von Einkauf bis Auslieferung einbeziehen.

Michael Kowalski
Nachhaltigkeit in der Kundenbeziehung. Hohe Qualität über die gesamte Wertschöpfungskette, von der Beratung/Angebotserstellung über die Projektabwicklung bis hin zum After Sales Service.

Reinald Wolff
Herzlichen Dank für Ihre Einschätzung. Es ist also nicht rocket science gefragt, sondern evolutionäre Innovationen sowie die Umsetzung klassischer Tugenden des Supply Chain Managements quer durch manche funktionale Niederung. Das wiederum nimmt dann doch gelegentlich revolutionäre Züge an. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

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